Warum Bab al-Mandab den deutschen Markt ins Wanken bringen kann

„Bab al-Mandab“ oder „Bab el-Mandeb“ bedeutet auf Deutsch sinngemäß „Tor der Tränen“ – ein Name, der laut einer Legende auf ein Erdbeben zurückgeht, das einst Arabien von Afrika trennte. Die nur rund 27 bis 29 Kilometer schmale Meerenge zwischen Jemen im Norden sowie Dschibuti und Eritrea im Süden ist seit Jahrhunderten ein zentraler Knotenpunkt des Seehandels – und steht aktuell wieder im Fokus, da die jüngsten militärischen Auseinandersetzungen im Roten Meer den Schiffsverkehr dort erneut erschweren.

Ein strategischer Knotenpunkt seit der Kolonialzeit

Die Bedeutung von Bab al-Mandab ist historisch gewachsen. Bereits im 19. Jahrhundert sicherte sich Großbritannien mit der Insel Perim einen Stützpunkt an der Meerenge, um den Zugang zum Roten Meer und zum späteren Suezkanal zu kontrollieren. Wer diese Passage beherrscht, kontrolliert eine der kürzesten Verbindungen zwischen Asien, Afrika und Europa – ein strategischer Vorteil, der bis heute Bestand hat.

Eine zentrale Route für den globalen Warenverkehr

Die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden und damit dem Indischen Ozean und bildet so den südlichen Zugang zum Suezkanal. Nach Angaben des Handelsblatts werden unter normalen Bedingungen rund zwölf Prozent des Welthandels über diese Route abgewickelt; andere Schätzungen liegen sogar bei bis zu 15 Prozent. Anders als die Straße von Hormus, die vor allem für Öl- und Gastransporte relevant ist, passieren durch Bab al-Mandab nahezu alle Warengruppen, die per Schiff von Asien über den Suezkanal nach Europa gelangen – von Elektronikartikeln bis zu industriellen Vorprodukten und Rohstoffen.

Zusätzliches Gewicht erhält die Route dadurch, dass Saudi-Arabien seit der angespannten Lage in der Straße von Hormus einen Teil seines Öls über eine Pipeline zum Rotmeerhafen Yanbu leitet und von dort weiterverschifft, wie das Handelsblatt berichtet. Damit hängen zwei der wichtigsten Seewege für den globalen Energiehandel enger zusammen als früher: Störungen an einer Stelle wirken sich zunehmend auch auf die andere aus.

Auch für Deutschland ist die Route alles andere als eine Randerscheinung. Laut einer Studie des ifo Instituts im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums liefen 2023 knapp zehn Prozent aller deutschen Importe über den Seeweg durch das Rote Meer, also über Suezkanal und Bab al-Mandab – ein Handelsvolumen von rund 136 Milliarden Euro. Die Bedeutung dieser Route für deutsche Exporte lag laut der Studie auf einem ähnlichen Niveau wie für Importe. Zum Vergleich: Über die Straße von Hormus wurden im selben Jahr lediglich 0,4 Prozent der deutschen Importe abgewickelt. Damit ist Bab al-Mandab für die deutsche Außenwirtschaft ungleich relevanter als mancher medial präsentere Konfliktherd.

Anhaltende Spannungen im Roten Meer

Politisch ist die Lage rund um die Meerenge seit Jahren instabil. Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz kontrolliert weite Teile der jemenitischen Rotmeerküste und hat wiederholt Schiffe in der Region angegriffen oder mit Blockaden gedroht – zuletzt im Zusammenhang mit eskalierenden Spannungen zwischen den Huthi und Saudi-Arabien. Laut ZDFheute kündigte die Miliz Ende Juli 2026 eine Blockade gegen Schiffe mit Bezug zu Saudi-Arabien an und zwang nach eigenen Angaben mehrere Frachter zur Umkehr. Wenig später griffen Huthi-Kämpfer nach übereinstimmenden Berichten auch Öltanker in der Meerenge an, woraufhin die Ölpreise deutlich anzogen.

Als Folge ist der Schiffsverkehr durch Bab al-Mandab spürbar zurückgegangen; einige Reedereien meiden die Route inzwischen vorsorglich. Die einzige Alternative ist die deutlich längere Fahrt um das Kap der Guten Hoffnung, die höhere Kosten und längere Lieferzeiten mit sich bringt. Ökonomen weisen laut Handelsblatt darauf hin, dass sich das mittelfristig auch in Europa und Deutschland in den Preisen bemerkbar machen kann.

Ein kleiner Ort mit großer Wirkung

Bab al-Mandab zeigt exemplarisch, wie stark globale Lieferketten von einzelnen geografischen Engstellen abhängen. Die Entwicklungen der vergangenen Wochen verdeutlichen, wie eng wirtschaftliche Stabilität und politische Sicherheit in dieser Region miteinander verknüpft sind – und wie schnell sich lokale Konflikte auf den Welthandel auswirken können.

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Quellen

ZDFheute: „Jemen: Huthi-Miliz droht mit Schiffsblockade im Roten Meer“,
www.zdfheute.de/politik/ausland/huthi-jemen-blockade-rotes-meer-saudiarabien-100.html

Handelsblatt: „Huthi-Rebellen: Wie sie den Schiffsverkehr im Roten Meer lahmlegen“,
www.handelsblatt.com/mobilitaet/huthi-rebellen-wie-sie-den-schiffsverkehr-im-roten-meer-lahm-legen-01/100030092.html

Handelsblatt: „Iran-Krieg: Bab al-Mandab könnte nächster Engpass für Schiffe werden“,
www.handelsblatt.com/politik/international/iran-krieg-bab-al-mandab-koennte-naechster-engpass-fuer-schiffe-werden/100242122.html

Handelsblatt: „Rohstoffe: Huthis wollen Rotes Meer blockieren – Angst vor höherem Ölpreis“,
www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/rohstoffe-huthis-wollen-rotes-meer-blockieren-angst-vor-hoeherem-oelpreis/100241387.html

Stand: August 2026